Hier würden Sie ein Kartenhaus mit der Spielkarte des Jokers sehen.

Das Aus für den Widerrufsjoker bei Immobilienkrediten

Der Bundestag hat ein neues Gesetz zur Immobilienkreditrichtlinie (WIKR) verabschiedet, das nun vom Bundesrat gebilligt wurde und zum 21.03.2016 in Kraft tritt. Damit wird eine EU-Verordnung in nationales Recht umgesetzt, deren Ziel es ist, Kunden von Immobilienkrediten besser zu schützen. Doch die neue Richtlinie bringt für Eigentümer auch einen großen Nachteil mit sich.

Sachkundenachweis für Vermittler von Immobilienkrediten

Hier würden Sie einen Kreditberater sehen, der einen Kreditvertrag zur Unterschrift anbietet.Die erste wichtige Änderung des Gesetzes besteht darin, dass Vermittler von Immobilienkrediten künftig eine Erlaubnis für ihre Tätigkeit brauchen. Dafür wird in der Gewerbeordnung § 34i neu geschaffen. Neben der Registrierung der Tätigkeit und einer Berufshaftpflichtversicherung geht es dabei vor allem um einen Sachkundenachweis mit Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Bis zum 20.03.2017 müssen alle tätigen Vermittler für Wohnimmobiliendarlehen diesen Nachweis erbringen. Allerdings gibt es eine Alte-Hasen-Regelung. Wer seit dem 21.03.2011 nachweislich ununterbrochen als Vermittler tätig war, muss keinen Sachkundenachweis erbringen. So sollen Interessenten umfangreicher über die Inhalte des Angebots informiert werden, um besser vor Fehlentscheidungen geschützt zu werden.

Einfachere Kündigung des Kredits

Bisher bedurfte es der Zustimmung der Bank, um vorzeitig aus dem Kredit entlassen zu werden. Einzige Ausnahme war der Verkauf der Immobilie. Nun können Sie auch bei einem anderen „berechtigtem Interesse” vorzeitig aus dem Kredit aussteigen. Dabei lässt der Gesetzgeber allerdings undefiniert, wann ein solches Interesse besteht.

Weiterhin muss die Bank die Bonität ihrer Kunden genauer prüfen. Tut sie das nicht, haben Sie ebenfalls die Möglichkeit, den Kredit vorzeitig zu kündigen.

Aus für den Widerrufsjoker

Die wohl interessanteste Neuregelung betrifft die der Vorfälligkeitsentschädigung. In der Vergangenheit wurden Kunden von Immobilienkrediten oft schlecht beraten und nur unzureichend über ihre Widerrufsrechte aufgeklärt. Erst vor wenigen Wochen hat der Bundesgerichtshof deswegen ein Urteil erlassen, dass Ihnen als betroffenem Kunden ein lebenslanges Widerrufsrecht für Ihren Immobilienkredit einräumte. Das betrifft besonders Verträge, die zwischen dem 01.09.2002 und 10.06.2010 abgeschlossen wurden. Der sogenannte Widerrufsjoker ermöglichte Ihnen, fehlerhafte Verträge ohne die Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung zu widerrufen. Dieses Widerrufsrecht läuft nun zum 21.06.2016 aus. Sollten Sie also von einem solchen Vertrag betroffen sein, haben Sie noch bis dahin Zeit, sich zu entscheiden, ob Sie Ihren Vertrag widerrufen möchten und damit beispielsweise bei einem Immobilienverkauf einer Vorfälligkeitsentschädigung entgehen. Bisher haben viele Eigentümer die Möglichkeit genutzt, alte, teure Verträge gegen einen neuen Kredit mit dem aktuell günstigen Zinssatz abzulösen.

Grundsätzlich gilt bei Immobilienkrediten eine Widerrufsfrist von 14 Tagen. Klärt die Bank Sie in Zukunft darüber unzureichend auf, verlängert sich die Frist um 1 Jahr.

Alle Änderungen im Überblick

  • Vermittler von Immobilienkrediten brauchen neben einer Erlaubnis für ihre Tätigkeit einen Sachkundenachweis.
  • Kredite können bei “berechtigtem Interesse” vorzeitig gekündigt werden.
  • Banken müssen die Bonität von Kreditnehmern besser prüfen.
  • Der Widerrufsjoker entfällt: Darlehensverträge mit unzureichender Widerrufsbelehrung können nur noch bis zum 21.06.2016 widerrufen werden. Bei neuen fehlerhaften Verträgen gilt eine Frist von einem Jahr und 14 Tagen.
  • Anders als bisher ist es nach dem neuen Gesetz auch möglich, Kredite mit einer Null-Prozent-Finanzierung zu widerrufen.
  • Kunden, die dauerhaft ihr Konto überziehen, sollen besser geschützt werden: Banken sind hier in der Pflicht, bessere Alternativen zu empfehlen.

 

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