Hier würden Sie ein Sofa und mehrere Dekoartikel sehen, die symbolisch für Home Staging stehen.

Wie Sie mit Home Staging Ihre Immobilie besser verkaufen

Home Staging heißt der Trend aus den USA, bei dem Häuser eigens für den Verkauf eingerichtet werden. So bekommen Interessenten eine Vorstellung davon, wie es ist, in der Immobilie zu leben – und sind gleichzeitig bereit, einen höheren Verkaufspreis zu zahlen. Wir haben mit dem Fotografen Marc Schlott und der Innenarchitektin Claudia Avermiddig über Einrichtungstipps und das Potential von Räumen gesprochen. Beide sind Geschäftsführer von Studioraum GmbH, einem Fotostudio, das sich auf Architektur- und Werbefotografie spezialisiert hat.

Womit starten Sie, wenn Sie einen Raum wohnlich einrichten?

C.A.: Bevor wir einen Raum einrichten, wird zunächst das Thema festgelegt. Dazu gehört natürlich, welchen Raum wir einrichten. Handelt es sich um eine Küche, einen Wohnraum oder ein Badezimmer? Genauso wichtig ist die Bestimmung der Zielgruppe. Welcher potentielle Bewohner soll sich dort wohlfühlen? Junge Leute haben einen anderen Anspruch an Wohnen als Senioren. Den jeweiligen Wünschen wollen wir natürlich gerecht werden. Entsprechend orientieren wir uns bei der Einrichtung des Raumes am festgelegten Thema.

M.S.: Sobald wir das festgelegt haben, beginnen wir mit der Planung. In unserem Falle werden die Räume überwiegend im Studio nach den Vorgaben der Innenarchitektur gebaut. Dazu werden die Räume mit Bodenbelägen, Wandfarbe und Möbeln bestückt. Anschließend richten die Stylisten den Raum nach Zielgruppe und Trends ein.

Wie richte ich einen Raum optimal ein?

M.S.: Das hat viel mit Gefühl zu tun. Jeder Raum hat eine individuelle Note. Dazu sollte man sich fragen, was die Architektur vorgibt. Was sind Besonderheiten des Raumes? Was sind aktuelle Trends? Und dann spielt natürlich auch der persönliche Geschmack bzw. die Vorgabe vom Kunden eine Rolle. Hier ist es wieder wichtig, auf die Zielgruppe einzugehen. Prinzipiell kann es passieren, dass zwei Stylisten einen Raum auf völlig verschiedene Weisen einrichten – und beide sehen gut aus.

C.A.: Möbel sollten die Architektur des Raumes unterstützen und trotzdem am Trend der Zeit sein. Die Trends bestimmen Farben und Formen. Ein großer lichtdurchfluteter Raum braucht andere Highlights als ein kleiner Raum. Wenn ich einen einfachen Raum habe, gebe ich ihm durch die Möbel sein Highlight. Mit Hilfe der Möbel kann ich dann zeigen, was in ihm steckt.

M.S.: Möchte ich einen belebten Raum darstellen und das Gefühl vermitteln, da würde jemand wohnen, dann muss ich einen Raum natürlich auch mit Bildern persönlich einrichten, vielleicht ein Musikinstrument oder eine Zeitung platzieren. Oder ich möchte den Raum ganz minimalistisch darstellen. Dann ist der Raum zwar relativ unpersönlich, aber seine Architektur wird betont. Es liegt also immer daran, ob der Raum für sich schon wirkt oder ich ihn in seiner Wirkung erst unterstützen muss.

C.A.: Das ist ja auch die Idee von Home Staging: jemandem in einem leeren Raum zeigen, was man alles daraus machen kann und ihm neue Ideen geben. Das Dahinter sehen und Anregungen geben, das Beste aus einem Raum herauszuholen.  

Welche Besonderheiten kann ein Raum mitbringen und wie geht man auf darauf ein?

C.A.: Prägnante Merkmale eines Raumes können eine Fensterfront, Seitenkonstruktionen oder hohe Decken sein. Das sind Elemente, die man in die Einrichtung integrieren sollte. Bei hohen Decken kann man etwas von oben kommen lassen, um den Raum von unten nach oben zu holen. Wenn der Raum ganz groß ist, empfiehlt es sich, ein Möbelstück mitten in den Raum zu stellen, um ihm seine Weite zu nehmen und Gemütlichkeit reinzubringen. Bei großen Küchen bietet sich ein Tresen an. Das ist in einem kleinen Raum ja gar nicht möglich. In kleinen Räumen sollten Möbel sehr bewusst und sparsam platziert werden. In langen schmalen Räumen sollten die Möbel nicht alle an einer Wand stehen. Vielmehr würde ich den Raum unterteilen, um ihm seine Länge zu nehmen.

M.S.: Wenn ich einen einfachen Raum habe, kann ich ihm nur durch die Möbel ein Highlight geben. Wenn der Raum eine ganz abgefahrene Architektur hat, dann spricht er schon für sich. Dann muss man ihn anders gestalten und sich mit den Möbeln zurücknehmen, damit seine Eigenheit nicht verloren geht.

Gibt es Räume, die Sie besonders gerne einrichten?

C.A.: Jeder Raum bietet neue Ideen, neue Inspiration. Ich gehe immer offen an jeden neuen Raum dran. Das ist ja auch das Kreative daran und die Vielfalt, sowohl in der Architektur als auch im Styling. Jeder Raum ist ganz eigen und so kann immer etwas Neues entstehen.

M.S.: Ich mag diese Abwechslung. Mal fotografiere ich etwas ganz Verspieltes, dann wieder einen ganz klaren Raum. Man muss sich auf jeden Raum einlassen. Jeder Raum kann einem etwas bieten.

Wie inszenieren Sie den Raum letztendlich in Ihren Fotos?

Setzen Sie Ihre Immobilie in SzeneM.S.: Wenn der Raum steht, wird er ausgeleuchtet. Was für eine Lichtstimmung möchte ich haben? Was gibt es da für Wünsche? Was stellen wir uns vor, um den Raum gut zu inszenieren? Ist das eine Abendstimmung oder eine Nachmittagsstimmung? Das wird auch wieder auf das Thema abgestimmt. Wenn ich einen verspielten Raum habe, nutze ich auch verspieltes Licht. Bei einem sehr graphischen, puristischen Raum kann ich entsprechend der dominanten Formen des Raumes mit einem harten Sonnenlicht arbeiten. Oder aber ich nutze ein weiches Licht und lasse die Formen des Raumes sprechen.

Sobald der Raum in seiner Einrichtung, Dekoration und Lichtstimmung eingerichtet ist, beginnt man sich Gedanken um die Fotosprache zu machen. Dazu starte ich mit zwei, drei Fotos, die den Raum erklären. Sie sollen einen Eindruck vom Raum vermitteln: Wo bin ich eigentlich? Wie ist der Raum aufgebaut? Derjenige, der die Bilder sieht, soll sich anhand meiner Fotos gedanklich durch den Raum bewegen und orientieren können. Erst danach folgen Details.

Welche Tipps können Sie jemandem mitgeben, der Home Staging mal ausprobieren möchte?

C.A.: Im Wohnen gibt es genauso wie in der Mode jahreszeitliche Trends. Oft sind diese auch ähnlich, besonders was die Farben betrifft. Die Farben, die wir jetzt in den Schaufenstern sehen, schlagen sich auf die Farben von Stoffen, Kissen und Vasen nieder. Meist hat die Mode einen kleinen Vorsprung, aber ansonsten sind da ganz klar Parallelen erkennbar. Eine andere Möglichkeit, sich über Trends zu informieren, bieten Möbelmessen.

M.S: Ich empfehle allen, sich da Inspiration zu holen, z.B. in Zeitschriften, die sich damit beschäftigen. Es gibt eigentlich für jeden Raumtyp die passende Zeitschrift, aus der man Ideen gewinnen kann und die einem dabei weiterhilft, selber einen Raum ideal einzurichten.

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