Erbschaftssteuer: Das bekommt der Staat

Eine Immobilie zu erben wirft viele Fragen auf. Neben dem Verlust über den geliebten Menschen kommen auf den Erben auch jede Menge bürokratischer Schritte zu.

Die Erbschaftssteuer

Etwa die Hälfte der Erbschaften in Deutschland entfällt auf Immobilien. Und das sind teilweise immense Werte. Meist wird es jedoch vermieden, sich mit den wichtigen Fragen rund ums Erben zu beschäftigen. Dabei sollten beizeiten Regelungen über den Umgang mit dem eigenen Nachlass bestimmt werden. Und auch als Erbe ist es wichtig zu wissen, wie mit einer Hinterlassenschaft umzugehen ist.

Da Erbschaften steuerpflichtig sind, muss binnen drei Monaten, nachdem man zum Erben geworden ist, das Finanzamt informiert werden. Denn an das Amt ist in der Regel eine Erbschaftssteuer zu entrichten, die auch noch Jahre später eingefordert werden kann.

Steuerklassen auch bei der Erbschaft

Das Steuerrecht teilt Erben in drei Steuerklassen ein, von denen der zu entrichtende Erbschaftssteuersatz abhängt. Diese Einteilung wird anhand des Verwandtschaftsverhältnisses zwischen Erblasser und Erben vorgenommen.

Steuerklasse Verwandtschaftsgrad
Steuerklasse I Ehegatten, Kinder, Stiefkinder, Enkel, Urenkel, Eltern, Großeltern
Steuerklasse II Geschiedene Ehegatten, Geschwister, Neffen, Nichten, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern
Steuerklasse III Nicht verwandte Erben

Höhe des Freibetrags

Ein Freibetrag ist die Summe, auf die ein Erbe keine Steuern zahlen muss. Dieser Betrag kann von dem Erbe abgezogen werden, der Rest jedoch wird versteuert. Wie hoch dieser Freibetrag ausfällt, hängt ebenfalls vom Verwandtschaftsgrad zwischen Erblasser und Erben ab.

Steuerklasse Erbschaft Verwandtschaftsgrad Freibetrag
I Ehepaare (auch gleichgeschlechtliche Paare) 500.000 €
I Kinder (auch adoptierte Kinder sowie Stiefkinder und Enkelkinder, wenn deren Eltern verstorben sind) je Elternteil 400.000 €
I Enkel 200.000 €
I Eltern und Großeltern 100.000 €
II Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Partner (inklusive gleichgeschlechtlicher Partnerschaften) 20.000 €
III Sämtliche anderen Erben 20.000 €

Steuersätze der Erbschaftssteuer

Je nach der Steuerklasse, in die ein Erbe eingeteilt wird, bemisst sich der zu entrichtende Erbschaftssteuersatz. Den Wert einer Immobilie bestimmt das Finanzamt, Erben können jedoch auch auf eigene Kosten von einem Sachverständigen ein Gutachten anfertigen lassen oder eine Immobilienbewertung vornehmen lassen.

Wert des Vermögens abzüglich 6 Freibetrag bis 75 Tsd. € bis 300 Tsd. € bis 600 Tsd. € bis 6 Mio. € bis 13 Mio. € bis 26 Mio. € ab 26 Mio. €
Steuerklasse I 7 % 11 % 15 % 19 % 23 % 27 % 30 %
Steuerklasse II 15 % 20 % 25 % 30 % 35 % 40 % 43 %
Steuerklasse III 30 % 30 % 30 % 30 % 50 % 50 % 50 %

Wer von der Erbschaftssteuer ausgenommen ist

Wohnt ein frisch verwitweter Partner für weitere zehn Jahre im geerbten Eigenheim, dann muss er keine Erbschaftssteuer entrichten. Wenn er innerhalb der zehn Jahre die Immobilie jedoch verkauft oder vermietet, muss er auf das Erbe Steuern zahlen. Für Kinder gilt dasselbe, allerdings nur für Immobilien bis 200 Quadratmetern.

Das Erbe ausschlagen

Nicht nur Kapital lässt sich vererben, sondern auch Schulden und Hypotheken, die auf einer Immobilie lasten. Es kann auch ein Grund sein, ein Erbe auszuschlagen, wenn die Immobilie unter Denkmalschutz steht. Dann nämlich kommen hohe Instandhaltungskosten auf den Erben zu. Wer nach der Prüfung der Hintergründe zu dem Schluss kommt, das Erbe nicht antreten zu wollen, hat sechs Wochen Zeit, das Erbe beim zuständigen Amtsgericht auszuschlagen. Diese Frist beginnt nach Bekanntgabe der Erbschaft. Falls alle Erben auf die Übernahme der Erbschaft verzichten, fällt sie an den Staat.

Sobald alle steuerrechtlichen Aspekte des Erbes geklärt wurden, müssen weitere Fragen beantwortet werden, etwa ob die Immobilie verkauft oder vermietet werden soll.

Erbengemeinschaft: Das Erbe teilen

Wenn ein Erblasser mehrere Erben, also eine Erbengemeinschaft, in seinem Testament vorsieht, werden diese zum gemeinschaftlichen Eigentümer der vererbten Immobilie. Dann müssen sie gemeinsam entscheiden, was mit der hinterlassenen Immobilie geschieht: Die Form ihrer weiteren Nutzung muss von allen Miterben einstimmig beschlossen werden. Die einfachste Möglichkeit besteht in einem Verkauf der Immobilie. Der Gewinn kann gerecht unter der Erbengemeinschaft aufgeteilt werden. In anderen Fällen, etwa wenn einer der Erben die Immobilie selbst nutzen will, wird der Wert der Immobilie durch eine Immobilienbewertung ermittelt. Der Erbe kann dann den übrigen Miterben deren Anteile auszahlen.

Teilungsversteigerung bei Erbauseinandersetzungen

Falls sich die Erbengemeinschaft über den weiteren Verbleib der Immobilie nicht einigen kann, bleibt nur der Gang zum Amtsgericht. Hier kann jeder Miterbe einen Antrag auf eine Teilungsversteigerung stellen. Die Teilungsversteigerung ist eine besondere Form der Zwangsversteigerung, die ausschließlich bei Gemeinschaftsauseinandersetzungen wie Scheidungs- und Erbstreitigkeiten angewandt wird. Dabei wird die Immobilie in einem Versteigerungsverfahren angeboten, bei dem sowohl Außenstehende als auch die Erben selbst mitbieten können. Der Versteigerungserlös abzüglich der Verfahrenskosten wird unter der Erbengemeinschaft aufgeteilt. Bei einer Zwangsversteigerung werden in der Regel deutlich niedrigere Gewinne erzielt als bei einem normalen Verkauf.

Alle Infos zur Erbschaftssteuer

  • Im Erbfall muss binnen dreier Monate das Finanzamt informiert werden.
  • Der Erbschaftssteuersatz hängt vom Verwandtschaftsgrad mit dem Erblasser ab.
  • Das gilt auch für den Freibetrag, also den Betrag, der nicht besteuert wird.
  • Der Steuersatz hängt von der Höhe des geerbten Vermögens ab.
  • Das Erbe kann auch ausgeschlagen werden.
  • Im Fall einer Erbengemeinschaft muss über die künftige Benutzung der Immobilie einstimmig beschlossen werden.
  • Bei Auseinandersetzungen darüber bietet sich eine Teilungsversteigerung an.