Erbschaftssteuer: Das bekommt der Staat

Wer erbt, zahlt in Deutschland auf das hinterlassene Vermögen Steuern. Erfahren Sie hier u.a., für wen die Erbschaftssteuer anfällt und wie hoch sie ist.

Wer meldet die Erbschaft beim Finanzamt?

Banken und Versicherungen sind genauso wie Notare und Nachlassgerichte verpflichtet, einen Todesfall an das Finanzamt zu melden. Erben erhalten daher in der Regel häufig nach kurzer Zeit ein Formular für die Erbschaftssteuererklärung. Wird die Erbschaft nicht von offizieller Seite beim Finanzamt angezeigt, sind Erben verpflichtet, dies innerhalb von drei Monaten selbst zu tun.

Welche Erbschaftssteuerklassen gibt es?

§15 des Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG) teilt die Erben in drei verschiedene Steuerklassen (I, II, III) ein. Sie sind nicht gleichzusetzen mit den Steuerklassen der Einkommensteuer, sondern abhängig von ihrem persönlichen Verhältnis zum Erblasser.

Steuerklasse Verwandtschaftsgrad
Steuerklasse I Ehegatten, Kinder, Stiefkinder, Enkel, Urenkel, Eltern, Großeltern
Steuerklasse II Geschiedene Ehegatten, Geschwister, Neffen, Nichten, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern
Steuerklasse III Nicht verwandte Erben

Wer erhält Erbschaftssteuer-Freibeträge?

Durch den in §16 ErbStG geregelten Freibetrag müssen Erben je nach Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen bis zu einer gewissen Vermögenshöhe keine Erbschaftssteuer zahlen. Ehepartner erhalten mit 500.000 Euro den höchsten Freibetrag und darüber hinaus noch einen Versorgungsfreibetrag in Höhe von 256.000 Euro. Kinder bekommen mit 400.000 Euro je Elternteil den zweithöchsten Freibetrag. Ihnen steht – je nach Alter – zudem ein Versorgungsfreibetrag zwischen 10.300 Euro und 52.000 Euro zu.

Steuerklasse Erbschaft Verwandtschaftsgrad Freibetrag
I Ehepaare (auch gleichgeschlechtliche Paare) 500.000 €
I Kinder (auch adoptierte Kinder sowie Stiefkinder und Enkelkinder, wenn deren Eltern verstorben sind) je Elternteil 400.000 €
I Enkel 200.000 €
I Eltern und Großeltern 100.000 €
II Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Partner (inklusive gleichgeschlechtlicher Partnerschaften) 20.000 €
III Sämtliche anderen Erben 20.000 €

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer?

Alles, was über den Freibetrag hinausgeht, wird abhängig von der Steuerklasse der Erben und dem Wert des Vermögens unterschiedlich besteuert.

Wert des Vermögens abzüglich 6 Freibetrag bis 75 Tsd. € bis 300 Tsd. € bis 600 Tsd. € bis 6 Mio. € bis 13 Mio. € bis 26 Mio. € ab 26 Mio. €
Steuerklasse I 7 % 11 % 15 % 19 % 23 % 27 % 30 %
Steuerklasse II 15 % 20 % 25 % 30 % 35 % 40 % 43 %
Steuerklasse III 30 % 30 % 30 % 30 % 50 % 50 % 50 %

Berechnungsbeispiele

Erbschaftssteuer Ehegatte

Ein Ehepartner (Steuerklasse I) erbt ein Gesamtvermögen in Höhe von 460.000 Euro. Da sein Steuerfreibetrag mit 500.000 Euro über diesem Wert liegt, muss er keine Steuer auf das Erbe zahlen.

Erbschaftssteuer Kind

Ein Kind (über 27 Jahre) erbt von seinen verstorbenen Eltern ein Gesamtvermögen von 460.000 Euro. Abzüglich seines persönlichen Freibetrags in Höhe von 400.000 Euro bleiben 60.000 Euro als steuerpflichtiger Erwerb übrig. Sie werden entsprechend der Steuerklasse I mit sieben Prozent besteuert. Die Erbschaftssteuer beträgt damit 4.200 Euro.

Erbschaftssteuer Bruder

Ein Bruder erbt von seiner verstorbenen Schwester ein Gesamtvermögen von 460.000 Euro. Abzüglich seines persönlichen Freibetrags von 20.000 Euro bleiben 440.000 Euro als steuerpflichtiger Erwerb übrig. Sie werden entsprechend der Steuerklasse II mit 25 Prozent besteuert. Die Erbschaftssteuer beträgt damit 110.000 Euro.

Ist der Vermögenswert bekannt, bietet der Steuerrechner eine schnelle Möglichkeit, die individuelle Erbschaftssteuer auszurechnen.

Wie wird die Erbschaftssteuer bei Immobilien berechnet?

Bei einer vererbten Immobilie bestimmt das Finanzamt deren Wert anhand der Daten von Gutachterausschüssen. Bei vermieteten Immobilien zieht es rund zehn Prozent des Werts ab. Individuelle Merkmale des Grundstücks und der Immobilie berücksichtigt das Finanzamt jedoch nicht, sodass die Gefahr besteht, dass eine zu hohe Erbschaftssteuer erhoben wird.
Um dies zu vermeiden, können Erben Ihre Immobilie unabhängig davon auf eigene Kosten von einem Gutachter bewerten lassen. Stellt er einen anderen Wert als das Finanzamt fest, sodass eine Korrektur der Steuerhöhe nötig wird, kann der Erbe diese mit einem qualifizierten Gutachten über die sogenannte „Escape Klausel“ beantragen. Eine erste Schätzung Ihres Immobilienwerts erhalten Sie zudem mit der kostenlosen Immobilienbewertung von Homeday.

Welche Form des Nachlasses ist von der Erbschaftssteuer befreit?

In einigen Fällen wird nach §13 ErbStG keine Erbschaftssteuer auf den Nachlass fällig. Steuerfrei bleibt danach etwa für die Steuerklasse I Hausrat inklusive Wäsche und Kleidung bis zu einem Wert von 42.000 Euro. Auch „andere bewegliche körperliche Gegenstände“ bleiben für diese Erbengruppe frei von Steuer bis zu einer Höhe von 12.000 Euro. Zum Vergleich: Erben der Steuerklasse II und III erhalten für die beiden „Posten“ insgesamt einen Freibetrag von 12.000 Euro. Außerdem von der Erbschaftssteuer befreit sind u.a. und unter bestimmten Bedingungen Grundbesitz, Kunstgegenstände oder Archive.

Steuerbefreiung bei selbst genutztem Wohnraum

Hat der Erblasser eine Immobilie selbst als Wohnraum genutzt und wohnt der verwitwete Ehepartner für weitere zehn Jahre in der Immobilie, entfällt für ihn die Erbschaftssteuer. Einzige Voraussetzung: Der Ehepartner wohnt dort mindestens zehn Jahre lang und verkauft, verpachtet oder vermietet die Immobilie innerhalb der Frist nicht.
Das Gleiche gilt für die Kinder des Erblassers, wenn die geerbte Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter ist.

Kann man ein Erbe ausschlagen?

Neben Vermögen lassen sich auch Schulden und Hypotheken vererben, die auf einer Immobilie lasten. Je nach deren Höhe, ist dies für die Hinterbliebenen ein Grund, das Erbe auszuschlagen. Erben einer Immobilie wählen diese Option auch, wenn diese beispielsweise unter Denkmalschutz steht und hohe Instandhaltungskosten nach sich zieht.

Hinweis

Erben haben sechs Wochen nach Bekanntgabe der Erbschaft Zeit, das Erbe beim zuständigen Amtsgericht auszuschlagen. Verzichten alle Erben auf die Erbschaft, fällt sie an den Staat.

Spezialfall Erbengemeinschaft bei Immobilien

Vererbt ein Erblasser seine Immobilie an mehrere Erben, entsteht eine Erbengemeinschaft. In diesem Fall müssen die gemeinschaftlichen Eigentümer gemeinsam entscheiden, was mit der hinterlassenen Immobilie passieren soll. Soll sie vermietet oder verkauft werden? Oder möchte einer der Erben sie selbst bewohnen und die anderen Eigentümer entsprechend auszahlen? Um eine Entscheidungen zu treffen, empfiehlt es sich, zunächst den Wert der Immobilie zu ermitteln. Hier bietet sich die kostenlose Immobilienbewertung von Homeday an.