• Hier sehen sie eine Nachbarschaft, in der das Nachbarschaftsrecht gilt.

    Nachbarschaftsrecht: Welche Regeln gelten?

    Jahr für Jahr beschäftigen Streitigkeiten unter Nachbarn die Zivilgerichte. Es geht um laute Musik, Heckenpflanzen, Geruchsbelästigung oder Probleme mit Haustieren. Erfahren Sie hier, bei welchen Streitigkeiten das Nachbarschaftsrecht auf Ihrer Seite ist und was Sie einfach hinnehmen müssen.

    Inhaltsverzeichnis

    1. Auf welche Gesetzesgrundlage stützt sich das Nachbarschaftsrecht?

    2. Das Nachbarschaftsrechts in den einzelnen Bundesländern

    3. Hammerschlag- und Leiterrecht: Was ist das?

    4. Lärm und Krach unter Nachbarn – was muss ich ertragen?

    5. Was gilt bei Grundstücksgrenzen?

    6. Sichtschutz: Darf der Nachbar das verbieten?

    7. Wie weit muss meine Terrasse vom Nachbargrundstück weg sein?

    8. Wie weit muss mein Schornstein vom Nachbargrundstück entfernt sein?

    9. Gerüche und Haustiere

    10. Welche weiteren Regelungen sind zu beachten?

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    Auf welche Gesetzesgrundlage stützt sich das Nachbarschaftsrecht?

    Das Nachbarschaftsrecht ist Sache der Bundesländer, eine bundeseinheitliche Rechtsvorschrift gibt es nicht. Über den verschiedenen landesrechtlichen Vorschriften im Nachbarschaftsrecht steht das allgemeine Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme. Dahinter steht der Gedanke, dass jeder Mensch bei der Nutzung seines Wohneigentums oder seiner Mietimmobilie auch die Interessen seiner Nachbarn berücksichtigen sollte. Manche Aktivitäten der Nachbarn, die kurzzeitig als Störung empfunden werden, sind dabei hinzunehmen, andere nicht.Um Streitereien unter Nachbarn zu vermeiden, gilt es generell, miteinander zu reden und sich über wichtige Informationen auszutauschen. Leider fällt genau das streitenden Nachbarn oftmals schwer. Dann beginnt die rechtliche Bewertung von Sachverhalten und Situationen und das Nachbarschaftsrecht ist gefragt.

    Das Nachbarschaftsrechts in den einzelnen Bundesländern

    Zahlreiche Regelungen zum Nachbarrecht finden sich im BGB. Darüber hinaus obliegt die Gesetzgebung zum Nachbarschaftsrecht den jeweiligen Bundesländern, sodass es in den Ländern spezielle Vorgaben gibt. Das  Bürgerliche Gesetzbuch  gilt bundesweit für jedermann, während die Nachbarschaftsregelungen der Bundesländer nur dort gelten. Im Unterschied zum BGB sind die Ländergesetze spezifischer und regeln konkrete Punkte wie Grundstücksabstände oder Ähnliches. Im Prinzip sind die Vorgaben in den Ländern recht ähnlich und unterscheiden sich vor allem durch konkrete Abstände oder Höhen, die beispielsweise für Grenzzäune vorgegeben werden.

    Hammerschlag- und Leiterrecht: Was ist das?

    Hier sehen Sie das Bild eines Mannes, der das Leiterrecht im Nachbarschaftsrecht nutzt.

    Manche Arbeiten können leichter vom Nachbargrundstück aus durchgeführt werden. Das Hammerschlags- und Leiterrecht sieht vor, dass Sie das Grundstück Ihres Nachbarn betreten dürfen, um Reparaturen am eigenen Haus oder Grundstück durchzuführen. So lässt sich beispielsweise die Regenrinne besser vom Nachbargrundstück aus erreichen und reinigen. Auch Leitern oder Gerüste dürfen für notwendige Arbeiten beim Nachbarn aufgestellt werden. Wichtig ist, dass Sie für alle Schäden, die dadurch entstehen haften. Zudem müssen Sie die Arbeiten Ihrem Nachbarn vorher ankündigen. Das Hammerschlag- und Leiterrecht findet sich in den Gesetzgebungen der Bundesländer.

    Lärm und Krach unter Nachbarn – was muss ich ertragen und was nicht?

    Ruhezeiten, Ruhestörungen und Lärmbelastungen sind häufige Themen, über die Nachbarn in Streit geraten. Auch der von Kindern ausgehende Lärm steht häufig im Fokus von Nachbarrechtsstreitigkeiten.Unabhängig von den Regelungen des einzelnen Bundeslandes gilt dabei:

    1. Der von Kindern ausgehende Lärm, zum Beispiel beim Spielen, ist in der Regel hinzunehmen.

    2. In Wohnanlagen regelt eine  Hausordnung  die Ruhezeiten. Ganz allgemein gilt in Wohngebieten, dass zwischen 13 und 15 Uhr eine Ruhezeit zu beachten ist und zwischen 22 Uhr und 6 Uhr die Nachtruhe gilt. Dabei ist letztere stärker geschützt und in dieser Zeit sämtliche Ruhestörungen zu unterlassen.

    Ruhestörungen können beispielsweise von

    • Maschinen

    • Tieren

    • lauter Musik

    • Menschen (Geschrei und laute Gespräche)

    • Fahrzeugen

    • Arbeiten (z.B. Baustellenlärm)

    ausgehen.

    Stört ein Nachbar die Ruhe, kommen verschiedene Reaktionsmöglichkeiten in Frage – abhängig von der individuellen Situation. Im Akutfall kann die Polizei der erste Ansprechpartner sein, um beispielsweise eine laute Partygesellschaft schnell zur Räson zu bringen. In anderen Fällen müssen Gerichte beziehungsweise in einem ersten Schritt Streitschlichter bemüht werden.

    In jedem Fall empfiehlt es sich, besonders andauernde oder sich wiederholende Ruhestörungen zu dokumentieren, um die Belastung beweisen zu können. Hier empfehlen sich Protokolle, Zeugenaussagen und auch technische Hilfsmittel. Unter bestimmten Bedingungen haben Mieter das Recht die Miete zu mindern, wenn der Hauseigentümer nicht effektiv gegen Ruhestörungen aus der Nachbarschaft vorgeht.

    „Eine Vorwarnung entbindet nicht von geltenden Regeln. So muss beispielsweise niemand die ganze Nacht den ohrenbetäubenden Lärm einer Party des Nachbarn ertragen, nur weil dieser zuvor eine laute Feier angekündigt hat.“

    Eileen Schreiterer

    Immobilienexpertin bei Homeday

    Wann dürfen laute Gartenpflegegeräte zum Einsatz kommen?

    Bei der Benutzung von Gartengeräten gelten die allgemeinen Vorschriften zu den Ruhezeiten im Nachbarschaftsrecht – angenommen werden Ruhezeiten zwischen 13 und 15 Uhr sowie ab 17 Uhr. An Sonntagen ist es generell untersagt, die Geräte zu benutzen.

    Pflanzen, Hecken und Abstände zum Nachbarn – was gilt bei Grundstücksgrenzen?

    Wenn es um Grundstücksgrenzen geht, streiten Nachbarn meist zu folgenden Fragen:

    Wer ist für Bau und Pflege eines Zauns zwischen Nachbarn verantwortlich?

    In manchen Bundesländern (zum Beispiel Brandenburg) sieht das Nachbarschaftsrecht vor, dass jeweils der Eigentümer links vom Zaun in der Pflicht ist, sich um einen an den Nachbarn grenzenden Zaun oder eine begrenzende Hecke zu kümmern. In anderen Bundesländern sind beide Eigentümer für Hecken und Zäune auf der Grundstücksgrenze verantwortlich.

    Wie nah darf ich an die Grundstücksgrenze pflanzen?

    Auch hier ist das Nachbarschaftsrecht im jeweiligen Bundesland zu beachten. Dabei richten sich die Abstandsflächen häufig nach der Wuchshöhe der Pflanzen, weil hier auch die Verschattungsgefahr für den Nachbarn eine Rolle spielt. In der Regel sind überhängende Pflanzenteile zu kürzen. Blätterfall auf das Nachbargrundstück ist zu tolerieren. Obst, das vom Nachbarn auf das eigene Grundstück gelangt, darf gegessen werden. Besonders wichtig ist der Sicherheitsaspekt bei Pflanzungen. Hier ist im Nachbarschaftsrecht immer der Nachbar in der Pflicht, von dessen Grundstück die Gefahr ausgeht, zum Beispiel, wenn ein Baum droht umzustürzen. Das folgt nicht nur aus dem Nachbarschaftsrecht, sondern auch aus dem Verursacherprinzip in der Gefahrenabwehr.

    Sichtschutz: Darf der Nachbar das verbieten?

    Errichtet ein Hauseigentümer einen Sichtschutz, der gleichzeitig als Abgrenzung zum anderen Grundstück dient, darf der Nachbar das nicht verbieten. Wichtig ist, dass es sich um eine "ortsübliche Abgrenzung" handelt, die dem Charakter des Viertels entspricht. Gängig ist dabei ein Mindestabstand von 50 cm zum Nachbargrundstück, übliche Höhen liegen zwischen 170 und 190 cm, dabei kommt es aber auf die Vorgaben des Bundeslandes und der jeweiligen Gemeinden an.

    Wie weit muss meine Terrasse vom Nachbargrundstück weg sein?

    Bei diesem Abstand gilt ebenfalls das Landesnachbarrechtsgesetz der Bundesländer. Die Terrasse ist so anzulegen, dass die gesetzlich vorgegebenen Mindestabstände der Bundesländer und Gemeinden eingehalten werden. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich die Konsultation eines Rechtsanwalts für Nachbarschaftsrecht.

    Gut zu wissen:

    Ist der Terrassenbau bereits länger als zwei Jahre her, hat der Nachbar keine Einspruchsfrist mehr, da die Verjährungsfrist abgelaufen ist. Eine Anzeige ist also direkt nach dem Bau der Terrasse notwendig.

    Wie weit muss mein Schornstein vom Nachbargrundstück entfernt sein?

    Damit es im Nachbarhaus durch qualmende Schornsteine nicht zu Rauchbelästigungen kommt, gelten bestimmte Abstände zum Nachbargrundstück. Die Mündung des Schornsteins muss waagerecht gemessen einen Abstand von mindestens 15 Metern zu den Fenstern des eigenen oder des Nachbargebäudes einhalten. Innerhalb eines Abstands von 15 Metern muss der Schornstein jedes Fenster, jede Tür oder jede Lüftungsöffnung um mindestens einen Meter überragen.

    Weitere Streitthemen unter Nachbarn: Gerüche und Haustiere

    Ein typischer Streitpunkt im Nachbarschaftsrecht ist beim Thema Geruchsbelästigung das Grillen. Obwohl es grundsätzlich erlaubt ist, sind Gestank und Rauchbelästigung jedoch nicht hinzunehmen. Einzelne Landesgesetze im Nachbarschaftsrecht geben zusätzliche Bedingungen vor. Möglicherweise ist das Grillen auch gemäß Hausordnung des Mietshauses untersagt.Auch von Haus- oder Nutztieren dürfen im Nachbarschaftsrecht weder Geruchs- noch andere Belästigungen ausgehen. Was hinzunehmen ist, entscheidet dabei oft der Einzelfall, weil es um die Situation im Wohnumfeld geht. So kann das Krähen eines Hahns in einer klassischen Wohngegend im Nachbarschaftsrecht als unzumutbare Belästigung gelten, in einem ländlich geprägten Umfeld aber nicht.

    Welche weiteren Regelungen sind beim Nachbarschaftsrecht zu beachten?

    Wer eine Wärmepumpe installiert oder einen Whirlpool aufstellt, sollte ebenfalls das Nachbarschaftsrecht im Blick haben. Kann der Nachbar durch Geräusche oder andere Umstände gestört werden, sind bestimmte Abstände und Regelungen einzuhalten. Hauseigentümer, die ihr Grundstück mit einer Überwachungskamera schützen, müssen nach dem Nachbarschaftsrecht darauf achten, nur das eigene Grundstück zu filmen. Im besten Fall erkundigen Sie sich vor dem Aufstellen genau nach den geltenden Gesetzen. Gab es in der Vergangenheit Konflikte mit den Nachbarn, ist unter Umständen auch eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll.

    Nachbarschaftsrecht – FAQ

    Pflanzen, Hecken und Abstände zum Nachbarn – was gilt bei Grundstücksgrenzen?

    Je nach Regelung im jeweiligen Bundesland sind entweder beide Eigentümer für Hecken und Zäune auf der Grundstücksgrenze verantwortlich oder nur der links vom Zaun. Wie nach an die Grenze gepflanzt werden darf, ist von der Wuchshöhe der Pflanzen abhängig (Verschattungsgefahr). Überhängende Pflanzenteile sind zu kürzen, Blätterfall ist zu tolerieren. Obst, das vom Nachbarn auf das eigene Grundstück gelangt, darf gegessen werden.  Mehr Informationen zum Nachbarschaftsrecht

    Welche Höhe darf eine Hecke haben?

    Die maximale Höhe einer Ecke ergibt sich aus dem Nachbarschaftsrecht des Bundeslandes. Jedes Land hat eine eigene zulässige Höhe, die zwischen 180 und 200 cm liegt. Aus der Heckenhöhe folgt der Grenzabstand. Bei einer höher gewachsenen Hecke muss der Abstand größer sein als bei einer niedrigeren Hecke. Der Grenzabstand liegt zwischen 50 cm und 200 cm.  Alle Details zum Nachbarschaftsrecht

    Lärm und Krach unter Nachbarn – was muss ich ertragen und was nicht?

    Ganz allgemein gilt in Wohngebieten eine Ruhezeit zwischen 13 und 15 Uhr sowie Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr. Vor allem in der Nachtruhe sind sämtliche Ruhestörungen zu unterlassen. Kinderlärm, z. B. beim Spielen, ist in der Regel hinzunehmen. Ruhestörungen durch Musik, Menschen, Tiere, Maschinen o. ä. kann je nach Situation unterschiedlich begegnet werden. In akuten Fällen hilft die Polizei.

    Gerüche und Haustiere von Nachbarn – was gilt?

    Obwohl das Grillen grundsätzlich erlaubt ist, sind Gestank und Rauchbelästigung jedoch nicht hinzunehmen. Einzelne Landesgesetze im Nachbarschaftsrecht und manche Hausordnungen geben zusätzliche Bedingungen vor. Von Haus- oder Nutztieren dürfen im Nachbarschaftsrecht weder Geruchs- noch andere Belästigungen ausgehen. Was hinzunehmen ist, entscheidet dabei oft der Einzelfall.

    Wie lässt sich ein Nachbarschaftsstreit schlichten?

    Die meisten Bundesländer sehen im Nachbarschaftsrecht ein vorgeschaltetes außergerichtliches Schlichtverfahren vor. Die Erfahrung zeigt, dass ein Gerichtsurteil im Nachbarschaftsrecht das Zusammenleben der Streitparteien oft erschwert. Hier leistet ein Schlichter oft mehr für einen dauerhaften Rechtsfrieden.  Weitere Details zur Streitschlichtung unter Nachbarn

    Hinweis:

    Bitte beachten Sie, dass unsere Ratgeber-Antworten, -Artikel und Musterdokumente keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung darstellen oder ersetzen können. Für Klärung Ihrer rechtlichen bzw. finanziellen Angelegenheiten bitten wir Sie, entsprechende Experten (z. B. Rechtsanwälte, Steuerberater bzw. Finanzberater) hinzuzuziehen. Trotz großer Sorgfalt und gewissenhafter Recherche können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Wir freuen uns und sind dankbar über entsprechende Hinweise, welche wir versuchen, zeitnah umzusetzen.

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