Wohnen im Alter: Barrierefreiheit einer Immobilie

Im Alter sehen sich viele Eigentümer mit körperlichen Einschränkungen und der Frage der Barrierefreiheit konfrontiert.

Begrifflichkeit Barrierefreiheit

Definition der Barrierefreiheit gemäß Paragraf 4 Behindertengleichstellungsgesetz: “Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen und technische Gebrauchsgegenstände, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.”

Obwohl die Begrifflichkeiten barrierefrei und behindertengerecht oft als Synonyme gebraucht werden, richtet sich der Begriff behindertengerecht an Personen mit Defiziten beim Gehen und der Begriff barrierefrei auch an ältere Menschen.

Aktuelle Situation und zukünftiger Bedarf

Sich frei und ohne Einschränkung bewegen zu können, auch bei Defiziten im Bereich der Mobilität, ist das Ziel aller Maßnahmen im Bereich barrierefreies Wohnen.

Jedoch entsprechen laut einer Studie vom April dieses Jahres, herausgegeben von dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, nur zwei Prozent aller Immobilien in Deutschland diesen Anforderungen.

Laut Studie wird - im Zuge des demografischen Wandels - im Jahre 2035 die Zahl der über 65 Jährigen bei knapp 30 Prozent liegen. Circa neun Prozent der Bevölkerung mindestens Achtzigjährig sein. Dies entspricht einer Steigerung von 65 Prozent - gegenüber dem Jahr 2012.

Somit ist dieses Thema aktuell und wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.

Deutschland: Land der Normen

In der Bundesrepublik gibt es in Sachen Barrierefreiheit DIN Normen.

Die DIN-Norm 18040-1 regelt die Vorgaben für alle öffentlichen Gebäude, die DIN-Norm 18040-2 jene von privaten Räumlichkeiten. In den Bauordnungen der jeweiligen Bundesländer können zudem genaue technische Einzelheiten nachgelesen werden.

Finanzierung und Förderung des Umbaus zur barrierefreien Immobilie

Derjenige, der den Umbau finanziert, egal, ob Senior, Angehöriger oder Vermieter, kann Fördermittel vom Staat beantragen.

Das Programm Altersgerecht Umbauen der KfW-Förderbank fördert derartige Bauprojekte. Hier können Interessenten zwischen den beiden Alternativen zinsgünstiger Kredit oder Bezuschussung wählen. Der Kredit wird bis zu einer Summe von maximal 50.000 Euro gewährt. Der Zuschuss zur Baumaßnahme ist auf maximal 6.250 Euro pro Wohneinheit begrenzt. Jedoch muss die Förderung durch die eigene Hausbank vor Baubeginn beantragt werden. Zudem sind die Vorgaben der betreffenden DIN-Normen bindend, um eine Förderung zu erhalten.

Bundesländer, Städte und Gemeinden haben weitere Förderprogramme. Sofern eine Pflegestufe vorhanden ist, beteiligen sich auch die Pflegekassen an den Baumaßnahmen. Die Pflegekasse bezuschusst die Umbauten bis zu einem Betrag von 4.000 Euro. Ziel der Maßnahme ist die Verbesserung der aktuellen Lebenssituation des Versicherten. Falls sich dessen gesundheitlicher Zustand verschlechtert, kann ein weiterer Zuschuss von 4.000 Euro beantragt werden. Jedoch wird jede Förderung als Einzelfall separat bewilligt.

Umbaumaßnahmen bei Mietwohnungen

Gemäß Paragraf 554a, Absatz 1, Satz 1 BGB können Mieter von ihrem Vermieter die Zustimmung zu derartigen baulichen Maßnahmen einfordern, sofern ein berechtigtes Interesse besteht. Dieses liegt immer dann vor, wenn der Mieter selbst oder ein Mitglied der Familie mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen hat. Konkret bedeutet das, dass die Zustimmung des Vermieters eingeholt werden muss, jedoch kann das Interesse des Vermieters an der Beibehaltung des aktuellen Zustandes des Mietobjekts dieser Maßnahme entgegenstehen.

Die Zustimmung des Vermieters ist jedoch nur bei Veränderungen, die in die Bausubstanz   eingreifen notwendig. Auch ob Baugenehmigungen für derartige Maßnahme benötigt werden, sollte vorab geklärt werden. Bei Mehrfamilienhäusern sind Umbauten am Haus im Rahmen der Eigentümerversammlung genehmigen zu lassen. Kleinere Veränderungen wie das Anbringen eines Notrufs, das Anbohren von zusätzlichen Haltegriffen oder die Montage eines elektrischen Türöffners bedürfen keinerlei Genehmigung.

Die Praxis zeigt jedoch, dass Vermieter in der Regel wenig gegen Umbauten einzuwenden haben. Zum einen verbleibt der aktuelle Mieter so in der Wohnung und dem Vermieter bleibt die Mietersuche erspart. Zum anderen gewinnt die Wohnung an Attraktivität und Wert.

Barrierefreie Immobilie als oberstes Ziel

Eine barrierefreie Immobilie bedeutet für Familienmitglieder und Pflegekräfte eine Entlastung. Der Betroffene ist wieder in der Lage, im täglichen Leben allein zurecht zu kommen - Ein Plus an Lebensfreude und Zufriedenheit, durch wiedergewonnene Unabhängigkeit, ist die logische Konsequenz.

Welche unterschiedlichen Bereiche betroffen und welche Maßnahmen geeignet sind, um diese Auszeichnung zu erhalten, erfahren Sie hier.

Zugangssituation

Bei starken Höhenunterschieden kann die Installation eines Hublifts - dieser gleicht von der Funktionsweise her einem Fahrstuhl - hilfreich sein. Auch Stufen stellen oft ein unüberbrückbares Hindernis dar. Rampen und Schienensystem leisten hier gute Dienste. Es gibt in diesem Zusammenhang fest installierte und flexibel einsetzbare Lösungen.

Räumlichkeiten der Immobilie

Prinzipiell sollten Räumlichkeiten Freiraum bieten und nicht mit schmalen Gängen und wenig Bewegungsfläche bestechen. Auch Zimmer mit vielen Winkeln und Ecken erschweren die Bewegung. Im Einzelfall können Wanddurchbrüche in Erwägung gezogen werden. Generell ist die Entfernung aller sperrig-überflüssigen Möbelstücke und Gegenstände, die nicht in Benutzung sind und nur Staub fangen, für mehr Platz und Freiraum anzuraten.

Bei der Planung von Umbauten ist die aktuelle Situation des Betroffenen und die erwartete Entwicklung in Sachen Mobilität entscheidend.

Treppen im Inneren

Beidseitige Treppengeländer ohne Unterbrechung sind ideal. Auch das Aufbringen von Anti-Rutsch-Beschichtungen auf die Stufen leistet hier im Normalfall gute Dienste. Der Einbau eines fest installierten Treppenlifts ist eine echte Alternative. Es gibt für innen Steh- oder Sitzlifte und sogenannte Homelifte. Letztere funktionieren ähnlich wie ein Fahrstuhl.

Schlafzimmer

Sollte sich das Schlafzimmer und Bad in der ersten Etage der Immobilie befinden, sollten Immobilienbesitzer ernsthaft darüber nachdenken, diese Räumlichkeiten ins Erdgeschoss zu verlegen. So können diese sich diesen beschwerlichen Weg mindestens zweimal am Tage ersparen.

Badezimmer

Freifläche

Die DIN-Norm sieht bei einem Rollator eine Freifläche von 120 x 120 cm vor, bei einem Rollstuhl eine Bewegungsfläche von 150 x 150 cm. Je nachdem, ob die betreffende Person auf Hilfe bei der Körperpflege angewiesen ist oder die tägliche Hygiene alleine bewältigen kann, sollte zusätzlicher Platz eingeplant werden.

Dusche

Eine ebenerdige Dusche mit den Maßen 90 x 90 cm oder 100 x 100 cm ist anzuraten. Der leichte Einstieg lädt zum Duschen ein. Ein Anti-Rutsch-Bodenbelag oder eine Anti-Rutsch-Beschichtung bietet Halt. Fest an der Wand installierte Haltegriffe unterstützen das Gefühl der Sicherheit. Duschhocker und Duschsitze sind wichtige Hilfen: Eine Sitzfläche von 45 x 45 cm oder 50 x 50 cm gewährleistet stabiles Sitzen.

Badewanne

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann die Badewanne mit einem Lift ausgestattet, zur Dusche umgebaut oder aber es kann auf eine Sitzbadewanne umgerüstet werden. Bei dieser Variante hat die Wanne eine Tür und einen integrierten Badewannensitz. Die Größe entspricht der einer Dusche. Armaturen können im Sitzen ohne Probleme bedient werden. Der Rand der Badewanne darf höchstens 15 cm breit sein. Im Ganzen sorgen Haltestangen und -griffe für Sicherheit. Horizontale Griffe sollten 25 - 30 cm über dem Wannenrand und eine vertikale Haltestange auf der Höhe 150 - 180 cm angebracht werden.

WC

Neben dem WC sind bei einem Rollstuhl 90 cm Platz ratsam. Zudem sollte das WC höher als gewohnt angebracht werden. Eine Sitzhöhe von 46 - 48 cm wird im Normalfall als angenehm empfunden. Auch von Menschen mit einer Beeinträchtigung beim Gehen. Bei Rollstuhlfahrern kann dies jedoch je nach individueller Körpergröße variieren. Grundsätzlich sind drehbare Stützklappgriffe auf beiden Seiten des WCs eine große Hilfe. Die Oberkante über dem Toilettensitz sollte 28 cm betragen. Klobürste und Abfalleimer sollten leicht zu greifen sein.

Waschbecken

Das Waschbecken kann auf der Höhe 80 - 85 cm angebracht werden. Zudem bietet das Waschbecken jede Menge Ablagefläche.

Spiegel

Der Spiegel muss so befestigt sein, dass man vom Rollstuhl oder Hocker aus ohne Probleme das eigene Spiegelbild erkennt. Sofern sich die Unterkante des Spiegels auf 95 cm und dessen Oberkante auf 180 cm befindet, müssten diese Bedingungen erfüllt sein. Die Nutzung des Spiegels ist gewährleistet.

Armaturen

Ergonomische Armaturen, mit der Möglichkeit, die Temperatur fix vorab einzustellen, gehören hier zur Grundausstattung. Diese dienen dazu, sich beim Finden der passenden Wassertemperatur mittels Mischen nicht zu verbrühen.Einhebel-Armaturen mit langem Hebelarm und schwenkbaren Auslauf sind perfekt für ältere Menschen.

Badezimmer-Möbel

Bei Badezimmermöbeln ist das Anbohren an der Wand auf der Höhe von 35 cm ideal. Generell ist darauf zu achten, dass alle Möbel im Sitzen erreicht und bedient werden können. Schubladen sollten leichtgängig sein.

Beleuchtung und Farben

Beleuchtung ist ein wichtiger Punkt, um schwere Stürze zu vermeiden. Bewegungsmelder sind hier geeignet, da sich das Licht so automatisch ein- und abschaltet. Haltegriffe und andere Hilfsmittel sollten sich farblich immer gut von der Umgebung absetzen.

Küche

Oberschränke, die sich in der Höhe verstellen lassen, sind ideal. Diese sollten auch aus der sitzenden Position immer gut erreichbar sein. Ähnliches gilt für die Arbeitsplatte: Hier sollte mit dem Rollstuhl leicht darunter gefahren oder im Sitzen bequem die Arbeitsplatte erreicht werden können. Schubladensysteme, auch für größere Küchenutensilien wie zum Beispiel Töpfe, sind praktischer als Schränke, da diese auch sitzend benutzt werden können.

Zudem sollten Sie sich praktisch überlegen, welche Gegenstände Sie täglich brauchen und diese strategisch sinnvoll platzieren. Zu guter Letzt muss auch im Kleinen, beim Besteck oder anderen Küchenhelfern auf bequeme Bedienbarkeit geachtet werden. Ergonomisch und leichtgängig lautet generell das Motto beim barrierefreien Leben.

Schlaf- und Wohnzimmer

Ein Bett, das sich elektrisch in unterschiedliche Positionen - Sitzposition, Beine zur Decke oder Oberkörper aufrichten - fahren lässt, ist bei eingeschränkter Beweglichkeit ein großer Gewinn. Auch bei Sofa und Sessel erleichtern hohe Sitzflächen den Gebrauch. Falls keine neuen Möbel angeschafft werden, stellt die Erhöhung der Beine durch einen Tischler eine Alternative dar: So fällt das Hinsetzen und Aufstehen um Längen leichter. In jedem Fall sollten alle Möbelstücke so stabil sein, dass bei Bedarf ein Abstützen darauf möglich ist.

Türen und Fenster

Fenster und Türen sollten leicht bedient werden können.Türen, die nach außen statt nach innen öffnen und Schiebetüren sind ideal. Im Falle eines Sturzes, und Versperren des Zugangs mit dem eigenen Körper im Rauminneren, kann so noch eine andere Person die Zimmertür öffnen und Hilfe leisten. Zudem sind Fenstergriff-Verlängerungen das perfekte Hilfsmittel, um sich beim Öffnen des Fensters nicht anstrengen zu müssen. Es gibt fest montierte, flexibel einsetzbare oder elektrische Verlängerungsstangen zur freien Auswahl.

Schwellen

Auch kann durch die Verbreiterung von Türdurchgängen und dem Eliminieren von Schwellen wie zum Beispiel zum Balkon oder der Terrasse Bewegungsfreiraum geschaffen werden.

Selbstverständlich stellen Schwellen auch in der Wohnung selbst eine beliebte Stolperfalle dar. Abhilfe schaffen Türschwellen-Rampen, die von jeweils einer Seite an die Schwelle gelegt werden und diese so überbrücken. Alternativ können Fußmatten angeklebt werden.

Technische Errungenschaften

Heutzutage lassen sich Rollläden, Heizung und Licht per Knopfdruck bedienen. Auch eine Vernetzung zwischen Briefkasten bzw. Waschmaschine und Smartphone ist denkbar. Unnötige Gänge lassen sich so reduzieren. Auch automatische Herdabschaltungen und Wasser-Stopp-Systeme bieten Sicherheit und Bequemlichkeit im Alter. Generell ist die Nutzung von Funktelefonen und Laptops mit WLAN ohne Kabel anzuraten.

Weitere Hilfsmittel

Gehstock, Rollator und Knöpf-Hilfe sollten dort gelagert werden, wo sie am meisten gebraucht werden. Durch geschicktes Platzieren können Zeit und Nerven gespart werden.

Zu guter Letzt gibt es neben der Möglichkeit, in seinen eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben und die Räumlichkeiten den neuen Anforderungen anzupassen, Alternativen für ein entspanntes Leben im Alter.

Alternative Lebensformen

Betreutes Wohnen

Beim dieser Wohnform bleiben Senioren in Ihrer Wohnung leben. Lediglich bei einigen Tätigkeiten wird Unterstützung von externen Dienstleistern geboten.

Senioren-WG

Ähnlich einer Studenten-WG leben auch hier zwei oder mehr Personen zusammen. Jeder hat ein eigenes Zimmer. Wohnzimmer, Bad und Küche werden gemeinschaftlich genutzt. Aktivitäten wie zusammen kochen oder Spiele spielen, bereichern den Alltag.

Seniorenheim

Dort leben meist Menschen mit akutem Pflegebedarf. Abgesehen von der Betreuung profitieren ältere Menschen von der starken Gemeinschaft. Es gibt unterschiedlichste Aktivitäten, die angeboten werden. Umliegende Grünanlage ermöglichen den Spaziergang in der Natur.

Fazit

Das Thema barrierefreies Wohnen wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen, da die Bevölkerung zunehmend älter wird und die geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen.

Sofern gesundheitlich alles in Ordnung ist, besteht kein Grund zur Sorge. Doch auch bei zunehmender Einschränkung der Mobilität und Beweglichkeit gibt es genügend Möglichkeiten, die eigene Immobilie den persönlichen Anforderungen anzupassen.

Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten des Staates und der Pflegekasse unterstützen hierbei bei sinnvollen Umbaumaßnahmen der Immobilie.

Die Vereine Wohnungsanpassung e.V. und Barrierefrei Leben e.V. stehen zur Seite.

Alles in allem gilt es, das Leben weiterhin zu genießen und sich so angenehm wie möglich zu gestalten, ob nun mit oder ohne körperliche Einschränkung.