• Notaranderkonto oder Direktzahlung

    Notaranderkonto oder Direktzahlung

    Bei einem Immobilienverkauf ist
    viel Geld im Spiel. In einigen Fällen vertrauen Verkäufer und Käufer
    daher auf den Geldtransfer über ein Notaranderkonto. Erfahren Sie u.a.,
    was sich dahinter verbirgt und welche Vor- und Nachteile es gibt.

    Inhaltsverzeichnis

    1. Was ist ein Notaranderkonto?

    2. Wie läuft der Verkauf über ein Notaranderkonto?

    3. Welche Kosten fallen für ein Notaranderkonto an und wer zahlt sie?

    4. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch ein Notaranderkonto?

    5. Wie unterscheidet sich die Direktzahlung des Kaufpreises vom Notaranderkonto?

    Was ist ein Notaranderkonto?

    Ein Notaranderkonto ist ein
    eigens für Immobilien und Grundstücke eingerichtetes Girokonto. Wie
    seine Bezeichnung zeigt, wird es im Namen des beauftragten Notars
    geführt. Auch Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter machen von dieser
    rechtlichen Möglichkeit Gebrauch. Im Auftrag ihrer Mandanten vollziehen
    sie damit die Zahlung und Eigentumsübertragung von Immobilien korrekt
    und fristgerecht. Laut aktueller Rechtslage ist ein Notaranderkonto
    jedoch nur dann zu verwenden, wenn ein berechtigtes Sicherungsinteresse
    besteht. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Verkäufer im Rahmen
    eines Insolvenzverfahrens Gläubiger bedienen muss. Oder wenn ein
    frühzeitiger Besitzübergang stattfinden soll. Das Beurkundungsgesetz
    sieht Notare jedoch in der Pflicht, statt einer treuhänderischen
    Verwaltung prioritär Direktzahlungen zu erwirken.

    Wie läuft der Verkauf über ein Notaranderkonto?

    Jeder Kauf oder Verkauf einer
    Immobilie oder eines Grundstückes muss durch einen Notar beurkundet
    werden. Er beantragt nach Vertragsabschluss eine Vormerkung des Käufers
    beim Grundbuchamt. Außerdem prüft der Notar, ob ein gesetzliches Vorkaufsrecht
    besteht und vormundschaftsgerichtliche Genehmigungen erforderlich sind.
    Im nächsten Zuge informiert er den Käufer schriftlich über die
    Kaufpreisfälligkeit. Allein zu diesem Zweck richtet der Notar ein
    treuhänderisches Sonderkonto ein. Das Geld verbleibt so lange auf dem
    Notaranderkonto, bis alle vereinbarten Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag
    erfüllt sind. Anschließend erfolgt die Überweisung des Kaufpreises –
    abzüglich etwaiger Zahlungen an berechtigte Gläubiger – an den
    Verkäufer. Der Notar ist auch dafür zuständig, dass bestehende
    Belastungen des Verkäufers im Grundbuch gelöscht werden.

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    Welche Kosten fallen für ein Notaranderkonto an und wer zahlt sie?

    Die Kosten für ein
    Notaranderkonto hängen von zwei Faktoren ab: dem Geschäftswert und dem
    Hebesatz der Gebührenordnung. Grundlagen sind das Gerichts- und
    Notarkostengesetz §§ 3, 34 (Tabelle B) sowie § 149 der Gebührenordnung.
    Im Allgemeinen übernimmt der Käufer diese. Es ist auch möglich, dass
    sich die beiden Vertragsparteien die Kosten teilen.

    Kostenbeispiele

    Die Hebesätze der Gebührenordnung setzen sich wie folgt zusammen:

    • bis 2.500 Euro: 1,0 %

    • ab 2.501 bis 10.000 Euro: 0,5 %

    • ab 10.001 Euro: 0,25 %.

    Bemerkenswert dabei ist, dass diese Hebesätze nicht pauschal erhoben
    werden, sondern als Einzelsummen berechnet werden. Bei einem
    Immobilienpreis von 150.000 Euro ergibt sich folgende Kostenkalkulation
    für das Notaranderkonto:

    • 2.500 Euro x 1 % = 25 Euro

    • 7.500 Euro x 0,5 % = 37,50 Euro (Differenz zu 10.000 Euro)

    • 140.00 Euro x 0,25 % = 350 Euro (Differenz zwischen 10.001 und 150.000 Euro)

    • Gesamtkosten: 412,50 Euro.

    Zinsen Notaranderkonto

    Das entstehende Zinsguthaben ist abhängig vom aktuellen Habenzinssatz. Der Habenzinssatz sind die Zinsen, die eine Bank an den Anleger zahlen müssen. Sollte die EZB weiterhin die Zinsen anheben, wird das langfristig auch wieder höhere Habenzinsen nach sich ziehen. Welche Vertragspartei das Zinsguthaben erhält, wird bereits im Kaufvertrag vereinbart. In der Regel stehen die Zinsen dem Verkäufer zu. Eine Aufteilung zwischen Käufer und Verkäufer ist ebenfalls legitim.

    Gut zu wissen:

    Ein Notaranderkonto ist ein reines Guthabenkonto. Sollzinsen entstehen auf dieser Basis nicht.

    Welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch ein Notaranderkonto?

    Ein großer Vorteil des
    Notaranderkontos besteht darin, dass der Notar die gesamte
    Kaufabwicklung tätigt. Er überwacht die Zahlungseingänge und veranlasst
    die Grundbucheintragungen. Bleibt die vereinbarte Summe durch den Käufer
    aus, sorgt er für eine rasche Rückabwicklung des Kaufvertrages.

    Die relativ hohen Kosten, die in der Regel der Käufer trägt, stellen
    einen Nachteil des Notaranderkontos dar. Einige Verkäufer sehen auf der
    anderen Seite einen Nachteil, weil sie den Kaufpreis vom Notar relativ
    spät im Abwicklungsprozess erhalten.

    Gut zu wissen:

    Ein Notaranderkonto ist nicht der Regelfall, sondern eine begründete Ausnahme bei Sicherungsinteressen. Zu ihnen zählen:

    • Verdacht auf illegale Geschäftspraktiken

    • Zwangsverwaltungen im Falle von Insolvenz

    • Kaufpreisfinanzierung über mehr als ein Kreditinstitut

    • begründete rasche und sichere Abwicklung zu Nutzen beider Vertragsparteien

    Das Notaranderkonto stellt daher keine gängige Praxis dar, sondern wird nur noch in seltenen Ausnahmefällen angewandt.

    Wie unterscheidet sich die Direktzahlung des Kaufpreises vom Notaranderkonto?

    Bei der Direktzahlung besteht
    eine enge Kommunikation zwischen den beiden Vertragsparteien und dem
    Notar. Nach Vertragsabschluss und Einsetzen der vereinbarten
    Fälligkeitsvoraussetzung erhält der Käufer eine schriftliche
    Fälligkeitsmitteilung zur Kaufpreiszahlung vom Notar. Darin ist
    ebenfalls erläutert, welcher Betrag wohin zu zahlen ist. Sind
    beispielsweise noch Gläubiger des Verkäufers zu bedienen, hat diese
    Zahlung Vorrang. Der Rest des Kaufpreises ist an den Verkäufer zu
    überweisen. Sobald der Verkäufer die Kaufpreissumme erhalten hat,
    informiert er hierüber den Notar. Bei Direktzahlungen sind entsprechende
    Auflassungsvormerkung im Grundbuch erforderlich, damit die Immobilien nicht anderweitig veräußert werden können.
    Da viele Immobilienkäufe über Darlehen finanziert werden, dient die
    Auflassungsvormerkung explizit zur Sicherheit der finanzierenden Bank.

    Fazit

    Ein Notaranderkonto bietet
    Vorteile, aber auch Nachteile für Verkäufer und Käufer. Deshalb ist es
    ratsam, dieses nur in Ausnahmefällen zu verwenden. Auch bei der
    Direktzahlung vom Käufer an den Verkäufer übernimmt der Notar eine
    wichtige und steuernde Rolle, indem er die Abwicklung in allen Schritten
    begleitet. Die Fälligkeitsvoraussetzungen für die Kaufpreiszahlung
    können im Kaufvertrag klar definiert werden und bieten somit ausreichend
    Sicherheiten für Käufer und Verkäufer.

    Notaranderkonto – FAQ

    Was ist ein Notaranderkonto?

    Ein Notaranderkonto ist ein eigens für Immobilien und Grundstücke eingerichtetes Girokonto. Es im Namen des beauftragten Notars, Rechtsanwalt oder Insolvenzverwalter geführt. Im Auftrag ihrer Mandanten vollziehen sie damit die Zahlung und Eigentumsübertragung von Immobilien korrekt und fristgerecht. Laut aktueller Rechtslage ist ein Notaranderkonto jedoch nur dann zu verwenden, wenn ein berechtigtes Sicherungsinteresse besteht. Mehr zum Thema

    Wie läuft der Verkauf über ein Notaranderkonto?

    Sind sich Käufer und Verkäufer einig und ist der Kaufvertrag unterschrieben, informiert der Notar den Käufer schriftlich über die Kaufpreisfälligkeit. Allein zu diesem Zweck richtet der Notar ein treuhänderisches Sonderkonto ein. Das Geld verbleibt so lange auf dem Notaranderkonto, bis alle vereinbarten Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag erfüllt sind. Anschließend erfolgt die Überweisung des Kaufpreises an den Verkäufer.

    Welche Kosten fallen für ein Notaranderkonto an und wer zahlt sie?

    Die Kosten für ein Notaranderkonto hängen von dem Geschäftswert und dem Hebesatz der Gebührenordnung ab. Grundlagen sind das Gerichts- und Notarkostengesetz §§ 3, 34 (Tabelle B) sowie § 149 der Gebührenordnung. Im Allgemeinen trägt der Käufer die Kosten, es ist auch möglich, dass sich die beiden Vertragsparteien die Kosten teilen. Zu den Kostenbeispielen

    Welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch ein Notaranderkonto?

    Ein großer Vorteil des Notaranderkontos besteht darin, dass der Notar die gesamte Kaufabwicklung tätigt. Bleibt die vereinbarte Summe durch den Käufer aus, sorgt der Notar für eine rasche Rückabwicklung des Kaufvertrages. Ein Nachteil sind die relativ hohen Kosten, die in der Regel der Käufer trägt. Einige Verkäufer sehen einen Nachteil darin, dass sie den Kaufpreis vom Notar erst relativ spät im Abwicklungsprozess erhalten. Weiterlesen

    Wie unterscheidet sich die Direktzahlung des Kaufpreises vom Notaranderkonto?

    Bei der Direktzahlung besteht eine enge Kommunikation zwischen den beiden Vertragsparteien und dem Notar. Nach Vertragsabschluss erhält der Käufer eine schriftliche Fälligkeitsmitteilung zur Kaufpreiszahlung vom Notar. Der Kaufpreis ist dann an den Verkäufer zu überweisen. Sobald der Verkäufer die Kaufpreissumme erhalten hat, informiert er hierüber den Notar.

    Themengebiet: Immobilienverkauf

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