Grundsteuer-Hebesätze in Deutschland

Für Immobilienbesitzer fällt vierteljährlich die Grundsteuer B an. Dabei unterscheidet sich die Grundsteuer von Ort zu Ort.

Irene Birk

Immobilienredakteurin

10. November 2017 · 7 Minuten Lesezeit

Jeder Immobilieneigentümer kennt das Prozedere: Vierteljährlich steht die Grundsteuer ins Haus. Egal, ob bebautes oder unbebautes Grundstück, der Fiskus bittet Eigentümer bestimmt zur Kasse. Die Grundsteuer B wird fällig.

Dabei unterscheidet sich die Grundsteuer von Gemeinde zu Gemeinde. Jeder Ort kann mit Hilfe des sogenannten Hebesatzes, die Steuerlast der Bürger frei bestimmen.

Wie errechnet sich die Höhe der Grundsteuer?

Zunächst ermittelt der Fiskus den Einheitswert der Immobilie. Im zweiten Schritt werden zugehörige Steuermesszahlen erhoben. Zum Schluss kommt der Hebesatz der jeweiligen Ortschaft ins Spiel. Alle drei Werte miteinander multipliziert ergeben die Grundsteuerschuld von Eigentümern pro Jahr.

Berechnungsbeispiel

Nehmen wir ein unbebautes Grundstück. Wenn es 35.000 Euro wert ist und die Steuermesszahl 3,5 Promille beträgt, ergibt sich in Summe ein Steuermessbetrag von 122,50 Euro. Diese Zahl wird mit dem Hebesatz der Gemeinde in Prozent multipliziert.

In Duisburg würde obiges Grundstück - mit einem hohen Hebesatz von 855 Prozent - 1.047,38 Euro an Steuern kosten, wohingegen in Ingelheim am Rhein - mit einem niedrigen Hebesatz von 80 Prozent - jährlich nur 98 Euro an Steuern anfallen würden.

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Im Ganzen dient der Hebesatz also dazu, nennenswerte Mehreinnahmen zu erzielen. Manche Ortschaften nutzen diese Möglichkeit und sanieren so ihren Haushalt.

Vergleich der sechzehn Landeshauptstädte

Homeday hat die Hebesätze deutscher Landeshauptstädte miteinander verglichen.

Unter den Landeshauptstädten führt Berlin. Die Stadt an der Spree erhebt satte 810 Prozent. Als international gefragtes Pflaster lässt die Metropole sich herrschaftlich bezahlen. Danach folgt die Hansestadt Bremen mit wunderschöner Altstadt und dem Schnoorviertel. Hier liegt der Hebesatz bei 695 Prozent. Auf Platz drei des Siegertreppchens liegt mit 635 Prozent die geschichtsreiche Stadt Dresden.

Städteranking

Stadt Bundesland Einwohnerzahl Hebesatz
Berlin Stadtstaat Berlin 3.520.031 810 %
Bremen Stadtstaat Bremen 557.464 695 %
Dresden Sachsen 543.825 635 %
Schwerin Mecklenburg-Vorpommern 96.800 630 %
Hannover Niedersachsen 532.163 600 %
Erfurt Thüringen 210.118 550 %
Hamburg Stadtstaat Hamburg 1.787.408 540 %
München Bayern 1.450.381 535 %
Stuttgart Baden-Württemberg 623.738 520 %
Kiel Schleswig-Holstein 246.306 500 %
Magdeburg Sachsen-Anhalt 235.723 495 %
Potsdam Brandenburg 167.745 493 %
Wiesbaden Hessen 276.218 492 %
Mainz Rheinland-Pfalz 209.779 480 %
Saarbrücken Saarland 178.151 460 %
Düsseldorf Nordrhein-Westfalen 612.178 440 %

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass die Verteilung der Hebesätze keinem Muster folgt und auch nichts mit Ost-West-Gefälle oder Nord-Süd-Unterschieden zu tun hat.

Gut zu wissen: Selbst München - in Sachen Immobilienpreisen seit Jahrzehnten Spitzenreiter in Deutschland - bleibt beim Grundsteuer-Hebesatz im Mittelfeld.

Diese Orte bitten Besitzer stattlich zur Kasse

Dennoch ist der Zenith mit den Hebesätzen der Landeshauptstädte nicht erreicht.

Nauheim, eine Gemeinde in Hessen mit circa 10.500 Einwohnern stellt mit 960 Prozent den höchsten Hebesatz der Bundesrepublik. Ganz dicht gefolgt von Bergneustadt. Der Ort zählt ungefähr 19.000 Einwohner, liegt in Nordrhein-Westfalen und verfehlt mit stolzen 959 Prozent nur knapp die Bezeichnung: “Spitzenreiter in Sachen Hebesatz in Deutschland”. Auf Platz drei folgt Witten mit knapp 100.000 Bewohnern. Auch hier bittet die Gemeinde - mit 910 Prozent Hebesatz - Eigentümer ordentlich zur Kasse. Jedoch muss Witten diesen Rang mit Altena teilen. Insgesamt 17.500 Einwohner wohnen hier. Wer denkt, die Höhe des Hebesatzes hätte mit der Größe der Ortschaft zu tun, irrt. Denn an nächster Stelle rangiert Dierfeld mit gerade einmal zwölf registrierten Einwohnern und 900 Prozent Hebesatz.

Die höchsten Hebesätze in Deutschland

Ortschaft Einwohnerzahl Hebesatz
Nauheim 10.510 960 %
Bergneustadt 18.940 959 %
Witten 96.700 910 %
Altena 17.375 910 %
Dierfeld 12 900 %

Bemerkenswert: Selbst innerhalb der Bundesländer gibt es riesen Unterschiede. Zum Beispiel ist der Hebesatz in Witten mit 910 Prozent doppelt so hoch wie in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens. Düsseldorf erhebt nur 440 Prozent. Ähnlich verhält es sich in bei Dierfeld und Mainz. Auch hier hat der Ort mit zwölf Einwohnern und 900 Prozent einen doppelt so hohen Hebesatz wie die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz. In Mainz werden lediglich 480 Prozent veranschlagt.

Diese Orte meinen es gut mit Immobilienbesitzern

Daneben gibt es Gemeinden, die extrem wenig Hebesatz verlangen. Dazu gehören: Elisabeth-Sophien-Koog auf der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand mit 46 Einwohnern, Dammfleth mit 287 Einwohnern und Lockstedt mit 161 Einwohnern. Alle drei Ortschaften liegen in Schleswig-Holstein und verlangen nur 100 Prozent Hebesatz. Auch das Städtchen Ingelheim am Rhein in Rheinland-Pfalz mit knapp 26.500 Einwohnern und jeder Menge Weinbergen meint es gut mit Eigenheimbesitzern. Nur schlappe 80 Prozent Hebesatz werden hier veranschlagt. Zu guter Letzt ist Christinenthal mit 73 Einwohnern und einem Hebesatz von 45 Prozent zu nennen. Ebenfalls ganz im Norden der Republik gelegen, bildet die Gemeinde die vierte Adresse für günstige Hebesätze in Deutschland.

Die niedrigsten Hebesätze der Bundesrepublik

Ortschaft Einwohnerzahl Hebesatz
Elisabeth-Sophien-Koog 46 100 %
Dammfleth 287 100 %
Lockstedt 161 100 %
Ingelheim am Rhein 26.546 80 %
Christinenthal 73 45 %

Bemerkenswert: Daneben gibt es auch Gemeinden, die gar keinen Hebesatz erheben. Gut für alle, die dort in bebaute oder unbebaute Grundstücke investiert haben.

Steuer-Oasen: Diese Orte verlangen keinen Hebesatz

Auffallend viele Ortschaften ohne Hebesatz gehören zu den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Rheinland-Pfalz ist mit fünf Gemeinden vertreten: Kisselbach, Bergenhausen, Rayerschied, Riegenroth und Mittelstrimmig. Knapp gefolgt von Schleswig-Holstein mit den Gemeinden: Friedrichsgabekoog, Wesselburener Deichhausen, Norderfriedrichskoog und Südermarsch. Loitsche-Heinrichsberg aus Sachsen-Anhalt und ein Ort in Nordrhein-Westfalen mit dem Namen Wahlbach sind ebenfalls vertreten. Interessant, dass eine Gemeinde komplett von Schweizer Staatsgebiet umschlossen wird. Kein Zweifel: Büsingen am Hochrhein, im Süden Baden-Württembergs, ist ein ganz besonderer Ort.

Gemeinden ohne Hebesätze

Ortschaft Einwohnerzahl Hebesatz
Kisselbach 591 0 %
Bergenhausen 115 0 %
Rayerschied 102 0 %
Riegenroth 259 0 %
Wahlbach 179 0 %
Friedrichsgabekoog 53 0 %
Wesselburener Deichhausen 107 0 %
Loitsche-Heinrichsberg 955 0 %
Büsingen am Hochrhein 1.358 0 %
Mittelstrimmig 407 0 %
Norderfriedrichskoog 51 0 %
Südermarsch 162 0 %

Fazit

Grundsteuern erfüllen einen bestimmten Zweck. Obwohl Immobilienbesitzer selten Freudensprünge bei hohen Abgaben machen, zahlt sich ein solider Haushalt auf lange Sicht aus für alle Beteiligten aus. Die Infrastruktur der Ortschaft wird im Idealfall mit diesem Geld ausgebaut und dies lockt als Folge Investoren und Privatleute.