Eigenkapitalrendite richtig einordnen: Vergleich, Cashflow und Risiken
Die Eigenkapitalrendite ist eine wichtige Kennzahl, aber keine vollständige Antwort auf die Wirtschaftlichkeit einer Immobilie. Für eine fundierte Einschätzung gehören Mietrendite, Cashflow, Finanzierung und Risiken zusammen.
Eine allgemein gültige gute Eigenkapitalrendite gibt es bei Immobilien nicht. Lage, Objektzustand, Mietniveau, Kaufpreis, Finanzierung, Eigenkapitalquote und persönliches Risiko beeinflussen, wie ein Ergebnis zu bewerten ist. Eine niedrigere Rendite kann in einer nachfragestarken und teuren Lage Teil einer anderen Strategie sein als eine hohe Rendite bei größerem Sanierungs- oder Leerstandsrisiko.
Eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent bedeutet zunächst nur, dass auf 100 Euro eingesetztes Eigenkapital rechnerisch 15 Euro Jahresüberschuss nach der gewählten Kostenabgrenzung entfallen. Ob das Ergebnis belastbar ist, hängt davon ab, ob Kosten, Rücklagen, Leerstand und Zinsen realistisch angesetzt wurden und ob die Liquidität ausreicht.
Eine hohe Rendite kann auf einen geringen Eigenkapitaleinsatz, eine günstige Finanzierung oder einen hohen laufenden Ertrag hindeuten. Sie kann aber auch optimistische Annahmen, Sanierungsbedarf, höhere Risiken oder eine knappe Finanzierungsstruktur verdecken. Deshalb ist der Vergleich mehrerer Kennzahlen sinnvoll.
Bruttomietrendite, Nettomietrendite, Eigenkapitalrendite und Cashflow beantworten unterschiedliche Fragen.
Renditewerte nur bei gleicher Kosten-, Steuer- und Zeitabgrenzung vergleichen.
Bei Eigentumswohnungen mögliche Sonderumlagen, WEG-Beschlüsse, Rücklagen und nicht umlagefähige Hausgeldbestandteile prüfen.
Für eine Langfristbetrachtung auch Mietentwicklung, Instandhaltung, Anschlussfinanzierung und mögliche Verkaufskosten einbeziehen.
Eigenkapitalrendite, Mietrendite, Objektrendite und Cashflow im Vergleich
Die Bruttomietrendite setzt die Jahreskaltmiete ins Verhältnis zum Kaufpreis und liefert einen schnellen ersten Eindruck. Sie berücksichtigt jedoch weder Kaufnebenkosten noch laufende Eigentümerkosten oder Finanzierung. Die Nettomietrendite geht einen Schritt weiter und bezieht je nach Definition auch laufende Kosten ein.
Die Eigenkapitalrendite stellt den Jahresüberschuss dem selbst eingesetzten Kapital gegenüber und ist deshalb stark von Eigenkapitalquote und Zinskosten abhängig. Die Objektrendite betrachtet dagegen den Ertrag der Immobilie weitgehend unabhängig von der individuellen Finanzierung und eignet sich zur Beurteilung des Objekts selbst.
Cashflow misst die verfügbare Liquidität über einen Zeitraum. Er ist besonders wichtig, weil Zins und Tilgung, aber auch Leerstand oder Sonderausgaben den Kontostand beeinflussen können, selbst wenn die Eigenkapitalrendite rechnerisch positiv ist.
Kennzahl: Bruttomietrendite | Berücksichtigt: Jahreskaltmiete und meist Kaufpreis | Geeignet für: erste Objektauswahl | Wichtige Grenze: Kosten, Nebenkosten und Finanzierung fehlen.
Kennzahl: Nettomietrendite | Berücksichtigt: Miete und je nach Definition laufende Kosten | Geeignet für: Vergleich der Bewirtschaftung | Wichtige Grenze: Definitionen sind nicht immer einheitlich.
Kennzahl: Eigenkapitalrendite | Berücksichtigt: Jahresüberschuss und eingesetztes Eigenkapital | Geeignet für: Bewertung des eigenen Kapitaleinsatzes | Wichtige Grenze: stark von Finanzierung und Kostenabgrenzung abhängig.
Kennzahl: Objektrendite | Berücksichtigt: Objektertrag weitgehend unabhängig von individueller Finanzierung | Geeignet für: Bewertung des Objekts | Wichtige Grenze: persönliche Finanzierung bleibt außen vor.
Kennzahl: Cashflow | Berücksichtigt: tatsächliche Ein- und Auszahlungen einschließlich Liquiditätswirkung | Geeignet für: laufende Zahlungsfähigkeit | Wichtige Grenze: keine reine Renditekennzahl.
Was die Eigenkapitalrendite nicht zeigt
Die Eigenkapitalrendite zeigt nicht automatisch, ob monatlich oder jährlich ausreichend Liquidität vorhanden ist. Tilgung ist zwar keine Zinskostenposition der vereinfachten Ertragsrechnung, sie ist aber ein tatsächlicher Liquiditätsabfluss. Auch eine positive Rendite kann daher mit einem angespannten Cashflow zusammenfallen.
Leerstand, Mietausfall, unerwartete Reparaturen, Sanierungen und Sonderumlagen können den laufenden Ertrag belasten. Rücklagen und ein Leerstandspuffer machen die Rechnung robuster, ersetzen aber keine Prüfung des konkreten Gebäudezustands und der möglichen WEG-bezogenen Risiken.
Eine Jahresrendite ist zudem eine Momentaufnahme. Veränderungen bei Mieten, nicht umlagefähigen Kosten, Anschlusszinsen und Finanzierung können das Ergebnis über die Zeit deutlich verändern. Wertsteigerungen oder spätere Verkaufserlöse sollten nur in einer separaten Langfristberechnung mit Haltedauer, Kosten und klaren Annahmen berücksichtigt werden.
Cashflow und Liquiditätsreserve für Zins, Tilgung und unerwartete Ausgaben.
Mietausfall, Leerstand und Vermietungsrisiken.
Instandhaltung, Sanierungen und mögliche Sonderumlagen.
Änderungen von Zinsen bei einer Anschlussfinanzierung.
Wertentwicklung und Verkauf als separate Langfristbetrachtung.